Mariella zu den Herausforderungen und Chancen in der Laienkommunikation

Schwere und chronische Erkrankungen bedeuten für Betroffene und ihre Angehörigen meist eine enorme Belastung – und gehen fast immer mit einem großen Aufklärungsbedarf einher. Gerade Menschen ohne medizinische Ausbildung, man spricht von medizinischen Laien, brauchen verständliche und verlässliche Informationen. Mariella, die für verschiedene Kunden die Laienkommunikation verantwortet, erklärt, wie sensible Themen so aufbereitet werden können, dass sie Betroffene und Angehörige wirklich erreichen.
15.01.2026
Frage:

Die Kommunikationsmaßnahmen im Gesundheitsbereich orientieren sich an den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppe. Während Fachkreise eher an wissenschaftlichen Informationen interessiert sind, gibt es in den Laienzielgruppen, dazu gehören Patientinnen und Patienten, ihre Angehörigen und die breite Öffentlichkeit, meist kein medizinisches Vorwissen. Es geht also darum, leicht verständlich und alltagsrelevant zu sensibilisieren und zu verschiedenen Krankheitsbildern und ihren Therapieoptionen aufzuklären. Die Ziele dabei sind häufig Stigmatisierung und Vorurteile zu reduzieren und die Betroffenen im Umgang mit der jeweiligen Erkrankung zu stärken, damit sie in der Lage sind, gemeinsam mit ihren Behandlerinnen oder Behandlern individuelle Therapieentscheidungen zu treffen. Entscheidend ist, dass Informationen leicht zugänglich sind und die Kommunikationswege passend zur jeweiligen Adressatenschaft ausgerichtet werden. Digitale Kanäle wie Websites, Podcasts, Newsletter und Social Media finden hierbei ebenso Anwendung wie Print- oder Out-of-Home-Maßnahmen, die einen unmittelbaren Austausch vor Ort ermöglichen.

Frage:

Vor allem ist es wichtig, die Auswirkungen der Erkrankung auf das Leben der Betroffenen deutlich zu machen. Dabei lassen wir uns von Fragen wie „Was bedeutet die Krankheit für mich?“ oder „Was kann ich tun, um besser damit zurechtzukommen?“ leiten. Authentische Berichte von Betroffenen sorgen hier für Identifikation und emotionale Nähe, denn niemand kann die Herausforderungen einer Erkrankung so nachvollziehen wie Patientinnen und Patienten. Oft arbeiten wir deshalb auch mit Patientenorganisationen, Selbsthilfegruppen oder relevanten Influencern zusammen. Darüber hinaus helfen Infografiken, Animationen, Videos oder Bilder, komplexe Zusammenhänge, Symptome oder Prozesse einfacher darzustellen. Auch Interviews mit Expertinnen und Experten, in denen sie Sachverhalte laienverständlich vermitteln, setzen wir ein. Interaktive Maßnahmen wie Quiz oder die Beantwortung häufig gestellter Fragen sind ebenfalls ein gutes Mittel, Wissen zu vermitteln.

Bei allem ist es wichtig, eine breite Palette von Kanälen für die Kommunikation zu nutzen, um unterschiedliche Präferenzen der Zielgruppen abzudecken.

Frage:

Um die Bedürfnisse und Informationslücken unterschiedlicher Laienzielgruppen wie Patientinnen und Patienten, Angehörige oder Risikogruppen präzise zu identifizieren, verfolge ich einen mehrstufigen Ansatz.

Zunächst starte ich mit einer detaillierten Online-Recherche, um durch die Auswertung bestehender Studien, Reports und demografischer Daten ein erstes Bild der relevanten Themen und potenziellen Problemfelder zu erhalten. Darauf aufbauend setze ich auf Primärforschung mittels Interviews. Der direkte Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Zielgruppen ermöglicht es, Ängste, unbeantwortete Fragen, konkrete Informationsbedürfnisse und bevorzugte Informationsquellen detailliert zu erfassen. Ergänzend führe ich Online-Umfragen durch, um quantitativ Wissensstände, Einstellungen und Informationspräferenzen zu erheben.

Parallel dazu nutze ich Social Listening, indem ich Online-Diskussionen in Foren und sozialen Medien analysiere, um ungestellte Fragen und aufkommende Sorgen zu identifizieren.

Unerlässlich ist die enge Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen, die als Expertinnen und Experten für die Bedürfnisse ihrer Mitglieder wertvolle Einblicke liefern. Ebenso binde ich medizinisches Fachpersonal wie Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker ein, die aus ihrer Praxis die häufigsten Fragen und Informationslücken kennen.

Abgerundet wird der Ansatz durch die Analyse von Suchanfragen, um aktuelle Trends und spezifische Informationsbedürfnisse im Zusammenhang mit Krankheitsbildern frühzeitig zu erkennen und zielgerichtet zu adressieren.

Frage:

Storytelling ist ein unglaublich mächtiges Werkzeug in der Kommunikation mit Laien, da es weit über die reine Vermittlung von Fakten hinausgeht und eine tiefere, emotionalere Verbindung zum Publikum schafft.

Ein zentraler Vorteil liegt in der Identifikation und Empathie, die Geschichten hervorrufen. Sie ermöglichen es der Zielgruppe, sich unmittelbar in die Lage der Protagonistinnen und Protagonisten zu versetzen, deren Erfahrungen nachzuempfinden und so eine tiefgreifende Empathie zu entwickeln. Dies führt dazu, dass komplexe medizinische Fakten greifbarer und weniger abstrakt erscheinen, da sie durch persönliche Schicksale und Herausforderungen menschlich und relevant werden. Im Gegensatz zu nüchternen Informationen fungieren emotionale Geschichten als starke Gedächtnisanker, die deutlich besser im Gedächtnis bleiben und somit eine nachhaltigere Wirkung erzielen.

Darüber hinaus kann Storytelling zum Handeln anregen. Indem Geschichten positive Vorbilder und Motivation präsentieren, etwa über die Bewältigung einer Krankheit oder erfolgreiche Lebensstiländerungen, können sie Mut machen, Hoffnung geben und die Zuhörerinnen und Zuhörer zur Nachahmung anregen. Außerdem dienen sie dazu, Lösungen aufzuzeigen, indem sie – oft indirekt – Wege vermitteln, wie man mit einer Krankheit umgehen kann, welche Schritte zu unternehmen sind (z. B. der Besuch in der ärztlichen Praxis, die Anpassung des Lebensstils oder die Suche nach Unterstützung). Durch das Teilen persönlicher Erfahrungen tragen Geschichten maßgeblich zum Abbau von Barrieren wie Ängsten, Vorurteilen oder Stigmata bei, die einer notwendigen Handlung entgegenstehen könnten.

Schließlich können Geschichten, sei es subtil oder direkter, zu einem konkreten Call-to-Action führen, indem sie die positiven Auswirkungen des Handelns klar aufzeigen und somit die Bereitschaft zur Veränderung stärken.